November 25th, 2010

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Vergesst Neuruppin!

Oktober 29th, 2010

Dahmetal in Brandenburg! Warum macht mich dieser Ort an? Ist es seine Lage, sind es seine Felder und Wiesen, sind es die Burschen, die strammen, die aus ihm stammen oder seine kecken Frauen, die sich möglicherweise eine stattliche Zahl berühmter Dichter, Feldherren und Architekten aus ihren lodernden Lenden locken ließen? Nein, all das ist es nicht, es ist vielmehr einfach schön, dass es einen Ort gibt, der durch das Einfügen von nur zwei Buchstaben zu einem Subgenre des Heavy Metal wird. Dahmetal, du Schöne!

Heavy Metal war einmal meine Leib- und Magenmusik, und auch heute befällt mich gelegentlich eine Sehnsucht nach ihr. Dann wird es still in meinen Gemäuern, der Kamin wirft dunkelrote Schemel an die Wand, die sich auch in meinem Rotweinglas in tausend Facetten brechen, während die ehrwürdig rohen, steinernen Wände die Klänge von Iron Maiden, Manowar und Megadeth zurückwerfen. So will das “Schwermetall” – denn nichts anderes bedeutet Heavy Metal – so will diese Musik gehört werden. Und nicht mit fliegendem Haar und in voller Lautstärke! Das ist ungesund, das wird mir jeder Leib- und Magen-Arzt bestätigen.

Und noch was! Was haben das Lied “Alle meine Entchen” und die deutsche Nationalhymne gemeinsam? Es ist nur jeweils eine Strophe von ihnen in Gebrauch. Wie ich aus einem Liederbuch erfuhr, gibt es mindestens vier Strophen zu “Alle meine Entchen”, in denen noch anderes Federgedöns vorkommt. So haben die Erwachsenen ihre nicht gesungenen Strophen, so haben die Kinder ihre nicht gesungenen Strophen. Quid est homo, non intravertur ut in dingsbums oder was, keine Ahnung.

Aber zurück zum Heavy Metal: Auf die Lautstärke kommt es wie gesagt nicht an, es muss nicht poltern und dröhnen. Ebenso wie in der Rede. Die mächtigsten Wörter und Begriffe schocken und splattern nicht. Weltkulturerbe! Gibt es ein Wort, das mehr auf die Kacke haut? Ist da etwas, das dem Weltkulturerbe klassifikatorisch übergeordnet sein könnte? Es müsste schon irgendwas mit “Orbital-” oder “Universal-” am Anfang sein.

Kommt jetzt nochn Witz mit Dahmetal und Weltkulturerbe? Von mir heute nicht mehr, aber ihr könnt euch ja selber was ausdenken, ich habe ja jetzt Beispiele genug geliefert, wie derartige Assoziationen funktionieren (s. Blogarchiv).

A propos (s. Blogarchiv): Astrid Kaiser! Nicht die Oldenburger Erziehungswissenschaftlerin Astrid Kaiser. Es ist auch nicht die amerikanische Präsidentin Astrid Kaiser, wenn ihr noch wissen wollt, wer die hier gemeinte Astrid Kaiser zum Beispiel auch nicht ist. Astrid hat noch keinen großen Namen. Dafür ist sie immer sie selbst geblieben. Ich kenne sie schon seit der Schulzeit, in den späten Schuljahren hingen wir zusammen mit denselben Leuten von der Schule ‘rum, ein eher linksalternativer Kreis, ihr wisst schon, die Polyglotten, Mondänen, Natur- und Handwerksverbundenen, die auch schon früh dementsprechendes Engagement zeigten. Es mag konstruiert klingen, aber unser damaliger Freundeskreis war schon weltweit als Waldwirt oder Wildwart tätig, als ihr noch gar nicht auf der Welt wart! Willkommen, Astrid!

Quack quack quack

Oktober 22nd, 2010

“Quack quack quack”, sagte die Ente.
Es war aber gar keine Ente, in Wirklichkeit war es ein wunderschöner Schwan.
Wer eine glückliche Kindheit hatte, kennt die Geschichte.
Wem eine glückliche Kindheit vergönnt war, wird sich an die Geschichte erinnern.
Wer das Privileg besitzt, eine glückliche Kindheit sein Eigen zu nennen, dem wird die Geschichte bekannt vorkommen.
Der Schwan kackt mir auf den Kopf.
Der Schwan hatte keine glückliche Kindheit.

Filmtipp

September 22nd, 2010

Filmtipp

Love Parade XIII

September 14th, 2010

Vor mir seilen sich die Bergsteiger die grauen Hänge ab. Sie klettern durch die Schluchten, die gleichmäßigen grauen Schluchten. Von unten hört man das Hämmern der Schmiede heraufklingen. Die Höhlenforscher umspielt ein weihnachtlicher Glanz. Klitzekleine Höhlenforscher, wie einer Pralinenschachtel entsprungen. Sie benutzen ein Drittel des Seils für den Hinweg, ein Drittel für den Rückweg und ein Drittel für den Notfall.

Es wird “Chocolat” im Fernsehen gezeigt. Das ist schon eine Kunst, einen Film auszusuchen, der gleichzeitig mit Johnny Depp und total langweilig ist. Ich kucke nur so halb zu. Irgendwas mit dramatischen Problemen, aber weil alle so gerne Schokolade essen, wird am Schluss alles gut. Wenn ich irgendwann mit jemandem in einer Videothek stehe, und dieser jemand sagt: “Oh, hier: “Chocolat”, mit Johnny Depp!”, dann sage ich: “Ach, schade, den hab ich schon gesehen.” Da kuck ich mir lieber die Zickzacknähte vor mir an. Stich um Stich hat da irgendwann mal eine Maschine die Gräue des billigen Stoffes zersägt. Jetzt kann man hier Abfahrtsslalom laufen. Mit den Kufen immer so hin und her, dabei die Nähte auftrennen. Die einzelnen Maschen halten sich tapfer. Eine jede hofft, nicht vom gnadenlosen Kufengeschlitze heimgesucht zu werden, aber irgendwann sind genug Maschen auf und der Stoff fällt ab und darunter zum Vorschein kommt eine wunderschöne Stripperin wie aus einer Torte oder aus tausendundeiner Nacht.

Ich kucke aus dem Fenster, aber es ist nur irgendwie weiß-orange-rötliche Suppe zu erkennen. Am Anfang sah das noch ganz schick aus, es haben sogar ein paar Leute Fotos gemacht, aber nach ungefähr sechs Stunden wird selbst die ausgefallenste Himmelsfärbung langweilig. Im Fenster sind Kratzer. Ich versuche mit den Kratzern die orange-rötliche Suppe draußen umzurühren. Lecker Dings, entweder was Süßes oder was herzhaftes mit Ei, ich kann mich nicht entscheiden. Die Turbine, die man durch das Fenster sehen kann, wälzt täglich 13 Kubikkilometer Luft um. Das entspricht ungefähr dem dreifachen Arsenal der spanischen Infanterie. Das Flugzeug filtert mit Hilfe der Turbinen Kleinstlebewesen aus der Luft. Dafür frisst das Flugzeug nichts anderes außer Kerosin. Das Kerosin gluckert in den Flügeln. Wenn man ganz leise ist, kann man das Dröhnen der Turbinen hören.

Ich habe noch einen Plastikbecher vom letzten Essen. Ein kleines breites Glas mit Stiel aus durchsichtigem Plastik. Wasser war da drin gewesen. Es sind auch immer noch ein paar Tropfen drin, aber die kriegt niemand raus. Die werden durch die eigene Viskosität schön an den Kanten und Plastiknähten des Bechers festgehalten.
Der Pilot des Flugzeugs ist der unglaubliche Hulk. Der war vorhin da, und hat so gemacht: “HRRRGHRRRR!”, und ist ganz dick grün angschwollen, dass ihm die Pilotenuniform vom Leib geplatzt ist, wie einer gebratenen Kochwurst die Pelle. Dann hat er versucht, die restlichen Tropfen aus dem Becher zu kriegen: “HNNNNGRRRRR!”, aber, wie gesagt, die kriegt niemand raus. Beim besten Willen nicht.
Hulks Uniform hat in heilem Zustande zwei goldene Streifen an jeder Seite, die ihn als Piloten eines bestimmten Ranges ausweisen, sagen wir mal: “einfacher Leutnant”. Als die Uniform zerfetzt wurde, wurde einer der Streifen langsseits geteilt. Die dadurch entstandenen drei Streifen wiesen Hulk kurzzeitig fälschlicherweise als einen Piloten höheren Ranges aus, beispielsweise “Admiral”. Das allein mag kein großes Vergehen sein, aber es ist ja nicht das erste Mal, dass so etwas vorkommt und es wird mittlerweile eine Sammelklage angestrebt, deren Argumentation sich hauptsächlich auf Beweismittel in Form von Bauklötzen konzentriert. Made in China, die Bauklötze. Mit meiner Mithilfe beim Prozess kann man aber nicht rechnen, mir sind militärische Ränge ja auch erstmal egal, weil ich ein Kind der Sonne. des Friedens und der Liebe bin.

Ich habe Sekundenschlaf. Zucke immer wieder zusammen und wache dabei auf. Minutenschlaf. Als ich einmal aufwache, merke ich, dass ich gerade auf meinen Pullover sabbere. Die anderen Passagiere neben mir sagen nichts. Oder zumindest tun sie so. Vorne in der Brutkolonie geht es wieder emsig zu, die nächste Mahlzeit wird vorbereitet. Die Vorbereitungen zu den Mahlzeiten werden — wie auch das anschließende Verteilen — immer absichtlich langsam vorgenommen. Damit sich die Zeitwarnehmung der Passagiere ändert: “Wie spät ist es denn?” – “Ach, halb so schlimm!”.
Auch das mit der Sonne ist nur so ein perfider Trick: Das Flugzeug fliegt mit der Sonne, dadurch verändert sich der im Flugzeug erkennbare Sonnenstand viel langsamer, als im Stillstand. Schlimmer kann man eine Wartezeit eigentlich kaum gestalten. Hinter mir im Flugzeug sitzt irgendwo die kubanische Zeitlupenmannschaft, Herren. Selbst die fangen langsam (!) an, sich aufzuregen.

Fazit:
Mit dem Flugzeug zu verreisen ist eigentlich eine tolle Sache. Man steigt ein, wartet ganz ganz ganz ganz lange und steigt dann wieder aus. Und ist total verblödet und durch. Aber es gibt bestimmt auch irgendeinen Vorteil, der mir gerade nicht einfällt.